{"id":313,"date":"2022-04-08T17:11:16","date_gmt":"2022-04-08T15:11:16","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=313"},"modified":"2022-04-13T10:31:59","modified_gmt":"2022-04-13T08:31:59","slug":"achleitner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/?p=313","title":{"rendered":"Friedrich Achleitner:<br>clemens + lois"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<p><strong>sp\u00e4te g\u00e4ste<\/strong><\/p>\n<p><em>\u2013\u00a0clemens holzmeister sitzt an einem einfachen wirtshaustisch und hat vor sich ein halb ausgetrunkenes weinglas mit henkel stehen. salopper anzug und das ber\u00fchmte &#8222;holzmeister-mascherl&#8220;. lois welzenbacher tritt auf, etwas scheu, mit einem viel zu weiten naturleinenanzug. die hose mit einem strick festgebunden. welzenbacher bleibt stehen, f\u00fcr ihn steht kein glas auf dem tisch. holzmeister spricht perfekt burgtheater-tirolerisch (modell walter reyer) und welzenbacher mit bayerischem einschlag.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>holzmeister:\u00a0servus loisl, setz di her.<\/p>\n<p>welzenbacher:\u00a0servus holzi, so freundlich warst schon lang nimmer zu mir.<\/p>\n<p>h: \u00a0 sag nit holzi, sonst werd i gleich grauslich wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>w: \u00a0 also clemens. dann sag aber a lois zu mir.<\/p>\n<p>h: \u00a0 was treibst du jetzt, in der ewigkeit?<\/p>\n<p>w: \u00a0 \u00a0ja, i vertreib eigentlich nur die zeit. wenn i die nur fr\u00fcher ghabt h\u00e4tt.<\/p>\n<p>h: \u00a0 mir gehts genau so. eigentlich stinkfad. bist du a im himmel?<\/p>\n<p>w: \u00a0 wennst mi so direkt fragst, des woas i eigentlich ned. i bin unter lauter kaiserj\u00e4ger, da geht immer a bissl fidel zua.<\/p>\n<p>h: \u00a0 i sitz unter lauter cv\u00b4ern.<\/p>\n<p>w: \u00a0 mei, du armer.<\/p>\n<p>h: \u00a0 wenn i des gwusst het, war i nie dazuagangan.<\/p>\n<p>w: \u00a0des vasteh i.<\/p>\n<p>h: \u00a0 i muass einfach manchmal aussi. und wo ziagz mi hi? nach tirol.<\/p>\n<p>w: \u00a0 sunst h\u00e4tt ma uns ja nit troffn. mia gehts genau so. warum nit nach salzburg?<\/p>\n<p>h: \u00a0 na di kennan mi kreizweis. hast nit gsegn, wos do mein herzpinkerl&#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 auch ein holzi&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, was der mit mein festspielhaus auff\u00fchrt&#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 du moanst, abreisst&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 \u00a0also, salzburg is fia mich gstorbn. dir gehts ja da viel besser. du wirst richtig aussaputzt von de jungen. dein turmhotel steht wieder da, wia wennst das grod baut h\u00e4ttst. bis auf den sektk\u00fcbel daneben.<\/p>\n<p>w: \u00a0 seit wann st\u00f6rt dich a sektk\u00fcbel? ( <em>lacht <\/em>). mir gfallt der turm guat. der biedert sich net an. ma muas a an stolz habn.<\/p>\n<p>h: \u00a0 jetzt siagt ma erst, was du f\u00fcr ein hundling warst.<\/p>\n<p>w: \u00a0 des h\u00e4ttst du vor fuchzig jahr a net gsagt.<\/p>\n<p>h: \u00a0 ma derf ja in der ewigkeit was dazualernen. wanns a nix mehr nutzt ( <em>lacht<\/em> ).<\/p>\n<p>w: \u00a0 stimmt. owa vorher ham die trioler alle meine bauten verschandelt, niedergrissn. von dir is jede h\u00fcttn stehn bliebm. waon von dir was hin is, dann hast dus selber ruiniert (lacht).<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, dein zeig hat ja a nit nach tirol passt, ned amol nach salzburg oder bayern oder wo\u00b4st noch \u00fcberall dein modisches graffel hingstellt hast.<\/p>\n<p>w: \u00a0 da schau her, die ewigkeit is doch noch a bissl zu kurz fia di.<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, weils wahr is.<\/p>\n<p>w: \u00a0 deine h\u00fcttn stehn ja nur deshalb, weilst einer jedn an trachtnhuat aufgsetzt hast&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 an huat mit einer gscheitn krempn, unter dem ma nit nass wird und in dens nit einiregnt.<\/p>\n<p>w: \u00a0 ja, die tiroler werdn nit gern nass.<\/p>\n<p>h: \u00a0 wenigstens aussn. prost lois.<\/p>\n<p>w: \u00a0 der wein schmeckt dir immer noch.<\/p>\n<p>h: \u00a0 er t\u00e4t ma schmeckn. ned amoa die cv\u00b4er hams geschafft, dass im himmel an wein gibt.<\/p>\n<p>w: \u00a0 \u00a0bei die kaiserj\u00e4ger findt ma immer noch a schnapsl.<\/p>\n<p>d: \u00a0 ja, vielleicht seids ihr gar nit im himmel?<\/p>\n<p>w: \u00a0 wos woas i.<\/p>\n<p>h: \u00a0 i hed doch damals in kriag ziehn solln.<\/p>\n<p>w: \u00a0 des sagst du heit, du filou.<\/p>\n<p>h: \u00a0 wenigstens oa moe muss i\u00b4s sagn (verdr\u00fcckt eine krokodilstr\u00e4ne). prost, lois.<\/p>\n<p>w: \u00a0 na ja, prost.<\/p>\n<p>h: \u00a0 redn ma wos gscheiters.<\/p>\n<p>w: \u00a0 fallt dir was ein?<\/p>\n<p>h: \u00a0 fallt <em>dir <\/em>was ein?<\/p>\n<p>w: \u00a0 was sagst zu unsere kollegen, heit?<\/p>\n<p>h: \u00a0 \u00a0da fallert mir viel ein. die wissen ja ned amol mehr was a bleistift is, von ana kohln oder gar an plastilin mecht i gar nit redn.<\/p>\n<p>w: \u00a0 und sauffn tuans a net.<\/p>\n<p>h: \u00a0 na, des hob schon i erledigt (lacht).<\/p>\n<p>w: \u00a0 woast wos, die heitign architektn san viel zu gescheit. lauter hirnwixer. sogar die architektinnen.<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, gibts denn die a?<\/p>\n<p>w: \u00a0 des sagst du, wo von deine zeichnknecht viele weiberleit warn?<\/p>\n<p>h: \u00a0 ibatreib net, lois. glaubst, san die architektn heit wirklich gscheiter?<\/p>\n<p>w: \u00a0 i woass net.<\/p>\n<p>h: \u00a0 vielleicht gscheidlns mehr. und schreibn. die schreiberling hab i schon gfressen. kennan koan plan lesn, wissn ned wos a zollstock is, habn koa ahnung von an waagriss, kennan koa roafmessa und koan ziagl mehr aber schwafeln von transparenz&#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 gschwitzt ham mir aa&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 ambivalenz, kon-se-quenz..<\/p>\n<p>w: \u00a0 konsequent ham mir a gsagt, zum \u00fcberdruss&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, aber dabei mit der faust aufn tisch ghaut . di schwafeln ja heit von ganz andere sachn, i merk mir des zeig net, de dings&#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 aber ganz bled sans trotzdem net, sie verstehn heit meine bauten besser als deine.<\/p>\n<p>h: \u00a0 des i ja koa kunst, bei dir gibts a nix zum verstehn bei deinen glaskistln, den verbogenen.<\/p>\n<p>w: \u00a0 es ist h\u00f6chste zeit, dass du von deine cv\u00b4er wegkommst, die vertreibn dir ja noch des letzte bazl hirnschmalz.<\/p>\n<p>h: \u00a0 <em>( sehr milde )<\/em> loisl, im ernst. glaubst du wirklich dass deine kistn in hundert jahr noch einen hund hinterm ofen hervorlocken?<\/p>\n<p>w: \u00a0 f\u00fcnfasiebzg san aber schon vorbei!<\/p>\n<p>h: \u00a0 ( <em>noch milder <\/em>) schau, wann i deiner stadtwerkekistn net a haubn aufgsetzt het \u2013 i woass schon, dass\u00b4s der sch\u00f6ne otto letztendlich gmacht hat \u2013 aber die idee war von mir ( <em>grinst<\/em> ), dann t\u00e4tn die innsbrucker di heit noch am weg zum adambr\u00e4u lynchen. du kannst mir nur dankbar sein.<\/p>\n<p>w: \u00a0 dankbar. daf\u00fcr gh\u00f6rst du in der architekturh\u00f6lle gevierteilt und zu deinem 150sten geburtsag braten. ich werd der hilde schon noch einredn, dass der christbamschmuck owagramt wird. des versprich i dir.<\/p>\n<p><em>stimme aus den off, vermutlich der liebe gott selbst, in breitem h\u00f6ttingerisch: jetz herts amol auf zu streitn ihr kindsk\u00f6pf, ihr seids doch in der ewigkeit<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>h: \u00a0 hast ghert, wir sitzen in der ewigkeit, da kenntst schon amol a ruah gebn.<\/p>\n<p>w: \u00a0 irgendwo hert sich die ewigkeit auf und von der himmlischen ruah hab i langsam gnua.<\/p>\n<p>h: \u00a0 ( <em>vers\u00f6hnlich<\/em> ) und a hetz iss jo a, a bissl streitn. der alte versteht a nix mehr von seinem heiligen land.<\/p>\n<p>w: \u00a0 ja, ja.<\/p>\n<p>h: \u00a0 eigentlich is\u00b4s ja wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>w: \u00a0 na, da bin i dir mehr ausn weg gangan. wan i in der weana akademie auf der stiagn deine plattfia\u00df ghert hob, bin ich schnell in die wendeltreppn einighuscht. da bist du nie eini, die hettst nit daschnauft ( <em>lacht <\/em>).<\/p>\n<p>h: \u00a0 im ernst lois, als lehrer warst du ein versager. i kenn kan anzign sch\u00fcler von dir, der wos wos taugt.<\/p>\n<p>w: \u00a0 jo. oan hob i ghobt.<\/p>\n<p>h: \u00a0 jo, der das gegnteil von dir gmacht hat. a a so a hirnwixer.<\/p>\n<p>w: \u00a0 i woass eh nit, wieso die guatn gewerbesch\u00fcler olle zu dir grennt san.<\/p>\n<p>h: \u00a0 derf ich dir wos sagn. des behalts aber f\u00fcr dich. die san olle gschickt wordn. von die stockkonservativn direktoren aus villach, salzburg, krems und innsbruck. und waons bei mir nit aufgnommen wordn san, sans zu dir umigangan ( <em>grinst <\/em>).<\/p>\n<p>w: \u00a0 und ich trottel, hab mir den arsch aufgrissn. i war immer in der schul. sogar am sonntag. ja i hab sogar drin geschlafn&#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 ja, weilst so geizig warst &#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 weil du mi nit hast aufkommen lassn. so war des. ich bin erst am sterbebett ordentlicher professor wordn.<\/p>\n<p>h: \u00a0 ehrlich, i hab di a net gholt. die studenten san in dein h\u00e4usl nach absam gefahrn, und ham di gfragt obst net nach wien kommen mechst. grad deshalb h\u00e4ttst a bessere sch\u00fcler habn k\u00f6nnen. du warst ka lehrer. jo, a guater latsch, der wos den studenten die perspektiven zeichnet und nix dabei gredt hat, h\u00f6chstens: da muas a bursch her, wie du deine windigen t\u00fcrm gnennt hast.<\/p>\n<p>w: \u00a0 und was hast du gmacht? du warst \u00fcberhaupt nie da, immer in der t\u00fcrkei &#8230;<\/p>\n<p>h: \u00a0 eine methode die heit noch von di stars mit erfolg praktiziert wird ( <em>lacht teuflisch <\/em>) &#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 und hast dem armen wachberger die drecksarbeit machen lassen<\/p>\n<p>h: \u00a0 stimmt. i bin amol im semester wie gottvater selber in einer gloriole erschienen, hab alle, die glaubt habn sie san holzmeistersch\u00fcler, zamputzt und nachher zum heurigen eingladn. da warns dann wie lamperl, habn mir aus der hand gfressn und brav gsungen ( <em>hebt an mit gaudeamus igitur<\/em> ) &#8230;<\/p>\n<p>w: \u00a0 ( <em>h\u00e4lt sich die ohren zu und schreit <\/em>)<em>:<\/em> bittschen aufh\u00f6ren. du warst immer schon ein gnadenloser schauspieler.<\/p>\n<p>h: \u00a0 a besserer wia meine tochter, die burgschauspielerin, das hat sie selber gsagt. (<em>verkl\u00e4rt <\/em>): ja, das warn sch\u00f6ne zeitn. und du, du hast dir jeden tag im theater an der wien auf dem stehplatz eine oper angh\u00f6rt. bei dir hats f\u00fcr die studenten nix zum zittern gebn und nix is aus ihnen wordn.<\/p>\n<p>w: \u00a0 meine sch\u00fcler san die jungen von heit. die habn meine schul nibraucht. die schaun si meine bauten an, soweits noch dastehn. du hast heit keine sch\u00fcler mehr, die habn sich alle verlaufen und j\u00fcngere kommen nit nach. es gibt doch eine gerechtigkeit ( <em>ist zu tr\u00e4nen ger\u00fchrt <\/em>).<\/p>\n<p>h: \u00a0 geh lois. freu di doch.<\/p>\n<p>w: \u00a0 eh.<\/p>\n<p>h: \u00a0 schau dir amol an, wo wir sitzn. i bin ja nur wegn dir herkommen. neidlos: heut is dein tag. schau, was die narrischn teufeln aus deinem sudhaus gmacht ham. respekt. da muss dir sogar ich neidig sein.<\/p>\n<p>w: \u00a0 vielleicht san die jungen architekten doch keine hirnwixer. ich bin mir ja direkt selber neidig. bumsti.<\/p>\n<p>( <em>schaut lange ger\u00fchrt im raum herum <\/em>). den k\u00f6berl kenn i ja schon lang. der gfallt mir. der sagt nix und was er nit sagt, is alleweil gescheit. den giner und den wucherer kenn i weniger, aber die drei passn zam. des sicht ma. solchene hundianer. da bin i direkt froh, dass i nimmer leb. clemens, da war mir deine konkurrenz scho lieber? ( <em>lacht und umarmt ihn <\/em>).<\/p>\n<p>h: \u00a0 lois, bremst die ein. die ewigkeit is noch lang. und wer woass, wos aus deine greislichen h\u00fcttn noch alles machen. wenns an sinn h\u00e4tt, in der ewigkeit, kennt ma drauf wettn.<\/p>\n<p>w: \u00a0 ja, da ging i jede wett ein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>friedrich achleitner, 15. 01.2004<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sp\u00e4te g\u00e4ste \u2013\u00a0clemens holzmeister sitzt an einem einfachen wirtshaustisch und hat vor sich ein halb ausgetrunkenes weinglas mit henkel stehen. salopper anzug und das ber\u00fchmte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[17],"class_list":["post-313","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedanken","tag-achleitner-friedrich"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=313"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":501,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions\/501"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}