{"id":315,"date":"2019-09-14T20:50:13","date_gmt":"2019-09-14T18:50:13","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=315"},"modified":"2019-10-09T20:46:40","modified_gmt":"2019-10-09T18:46:40","slug":"schloegl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/?p=315","title":{"rendered":"Lois Welzenbacher \u2013 Eine Erinnerung"},"content":{"rendered":"<p>Wenige hundert Meter von seinem kleinen, idyllisch in den Absamer Wiesen gelegenen Wohnhaus entfernt aufgewachsen, erinnere ich mich nur an eine einzige Begegnung mit Lois Welzenbacher in Hall vor 60 Jahren. Welzenbacher, damals schon schwer von seiner Erkrankung gezeichnet, pr\u00e4gte von 1947 bis 1955 die auf Otto Wagner und Peter Behrens nachfolgende Meisterschule f\u00fcr Architektur an der Wiener Akademie der Bildenden K\u00fcnste. Trotz seines Engagements f\u00fcr den Wiederaufbau Wiens mit der Teilnahme an Wettbewerben f\u00fcr die Verbauung des Donaukanals (1946), die Neugestaltung des Burgtheaters (1948), die Verbauung des Karlsplatzes (1949) und mit Entw\u00fcrfen f\u00fcr den S\u00fcdbahnhof und den Donauhafen Wiens blieb er, ohne auch nur einen einzigen Auftrag erhalten zu haben, seitens der Gemeinde Wien unbedankt.<\/p>\n<p>Er selbst war Sch\u00fcler von Theodor Fischer (1862-1938), einem der wichtigsten Vertreter der M\u00fcnchner Schule, nach dessen Pl\u00e4nen 1911 das Haller Post- und Wohngeb\u00e4ude am Eingang zur historischen Altstadt errichtet wurde, in dessen Belle Etage sp\u00e4ter der Haller Stadtbaumeister Hans Illmer (1878-1936) wohnte, der das, zusammen mit Welzenbachers Turmhotel (1930) st\u00e4dtebaulich einmalige Ensemble bildende Kurmittelhaus f\u00fcr Hall entworfen hat.<\/p>\n<p>Erst w\u00e4hrend meiner Ausbildung in der auf Welzenbacher folgenden Meisterschule Roland Rainer erkannte ich die unvergleichliche Qualit\u00e4t des ersten mir aus meiner Jugendzeit bekannten Welzenbacher Baus, des bereits genannten \u201cTurmhotels Seeber\u201c, dessen vertikaler Akzent am Rand des Stadtkerns von Hall das \u201e<strong><em>Neue Bauen<\/em><\/strong>\u201c wie kein anderes Geb\u00e4ude repr\u00e4sentierte und dessen in die Zukunft weisende Architektur in der meist konservativen Bev\u00f6lkerung auf heftigen Widerstand stie\u00df, was letztlich den respektlosen Umgang mit dem Original hinsichtlich sp\u00e4terer Umbauten zu erkl\u00e4ren vermag.<\/p>\n<p>Einer beispielhaften Initiative junger, ebenfalls an der Wiener Akademie der Bildenden K\u00fcnste ausgebildeter Architekten, Bruno Sandbichler und Feria Gharakhanzadeh, haben wir es zu verdanken, dass nach einer \u00f6sterreichweit durchgef\u00fchrten Kampagne f\u00fcr dieses bedeutende Architekturdenkmal die Abwicklung eines Wettbewerbes f\u00fcr die Erweiterung des Hotels gefordert wurde, der eine qualit\u00e4tsvolle Revitalisierung des devastierten Hotelturms voraussetzte. Dies ist dann Dieter Henke und Marta Schreieck in sehr sensibler Weise gelungen, womit sich ein Kreis um die Wiener Akademie der Bildenden K\u00fcnste zu schlie\u00dfen scheint, absolvierten die beiden doch auch eine ihrer Meisterschulen.<\/p>\n<p>Einige Jahre vor dem Hotelbau erregten zwei ebenfalls turmartige Geb\u00e4ude aus Welzenbachers Hand das Interesse der Innsbrucker, das Adambr\u00e4u Sudhaus (1926\/27) und der Verwaltungsbau der St\u00e4dtischen Elektrizit\u00e4tswerke Innsbruck (ebenfalls 1926\/27). W\u00e4hrend das Sudhaus vor und nach seiner viel beachteten Umnutzung durch Rainer K\u00f6berl, Erich Wucherer, Thomas Giner und Andreas Pfeifer eine \u00e4hnlich radikal entschlackte Architekturhaltung auszeichnet wie das Haller Hotel, weist der Verwaltungsbau der St\u00e4dtischen Elektrizit\u00e4tswerke (heute Innsbrucker Kommunalbetriebe), \u00fcbrigens das erste wirkliche Hochhaus in Innsbruck, noch eine leicht expressive Formensprache auf. Hier erinnere ich mich an gelegentliche Besuche des in den 1950-er Jahren im obersten Stockwerk kurz vor seiner Schlie\u00dfung untergebrachten Caf\u00e9s mit einem faszinierenden Rundblick auf die Stadtlandschaft Innsbrucks.<\/p>\n<p>Wurde mit der Revitalisierung von Hotel und Sudhaus ein unsch\u00e4tzbarer kultureller Beitrag geleistet, wird der Wunsch nach einem R\u00fcckbau des Geb\u00e4udes der Innsbrucker Kommunalbetriebe hinsichtlich der verlorenen Balkone, vorspringenden Fensterb\u00e4nder, des gro\u00dfen quadratischen Ziffernblatts und nach einem Verzicht des sp\u00e4ter aufgesetzten kappenartigen Daches leider Illusion bleiben, auch wenn man Welzenbacher f\u00fcr diesen st\u00e4dtebaulich markanten Eingriff ins Stadtgef\u00fcge nach wie vor dankbar sein muss.<\/p>\n<p>Der erste und der zweite, vor Baubeginn stehende, PEMA-Turm in Bahnhofsn\u00e4he werden sich in st\u00e4dtebaulichen und architektonischen Belangen in Zukunft erst gegen\u00fcber Welzenbacher behaupten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mit der Freigabe des Abbruchs des weltst\u00e4dtische Atmosph\u00e4re atmenden Caf\u00e9 Greif (1949\/50) hat sich Innsbruck in den 1970-er Jahren leider selbst um ein St\u00fcck nicht wiederholbarer Welzenbacherscher Architekturgeschichte gebracht.<\/p>\n<p><em>Hanno Schl\u00f6gl, M\u00e4rz 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenige hundert Meter von seinem kleinen, idyllisch in den Absamer Wiesen gelegenen Wohnhaus entfernt aufgewachsen, erinnere ich mich nur an eine einzige Begegnung mit Lois [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[38],"class_list":["post-315","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedanken","tag-hanno-schloegl"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=315"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":498,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315\/revisions\/498"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=315"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=315"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=315"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}