{"id":345,"date":"2019-09-14T21:27:13","date_gmt":"2019-09-14T19:27:13","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=345"},"modified":"2019-10-09T20:41:36","modified_gmt":"2019-10-09T18:41:36","slug":"schoenherr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/?p=345","title":{"rendered":"Vorweg zum Erinnern ganz im Allgemeinen:"},"content":{"rendered":"<p>Mit zunehmenden Alter f\u00e4llt mir pers\u00f6nlich auf, dass mein pers\u00f6nliches aktives Erinnern wohl durch das sich verst\u00e4rkende Bewusstsein motiviert ist, wie viel ich in meinem und <em>von<\/em> meinem Leben schon vergessen habe (da sind dann die digitalen Daten ein ern\u00fcchternder Spiegel). Wenn das auf pers\u00f6nlicher Ebene schon so weitreichend ist, ist aktives Erinnern und Festhalten wohl notwendig. Und wenn der Versuch scheitert? Dennoch ist niemand vergessen. Das hoffe ich jedenfalls.<\/p>\n<p>Und wie soll ich nun \u00fcber Welzenbacher schreiben? Einleitung &#8211; Hauptteil &#8211; Schluss? Beruflich schreibe ich mittlerweile vorwiegend Gutachten. Also denke ich, dass wohl ein allerdings pers\u00f6nlich gef\u00e4rbter Befund meine ersten Eindr\u00fccke <strong><a href=\"#eins\" name=\"_ftnref\">[1]<\/a><\/strong> \u00fcber Welzenbachers Spuren die mir angemessene Form sein wird.<\/p>\n<p>Entbehrlich scheint mir eine architekturspezifische Abhandlung; dazu sind andere berufen. Ich beschr\u00e4nke mich auf meine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke anhand von vier \u201eSpuren\u201c<\/p>\n<p>Spur Nr. 1, Adambr\u00e4u<\/p>\n<p>Wie lange steht das vormalige Adambr\u00e4u-Sudhaus nun schon da? Sicher \u2013 man kann nachlesen, dass es 1926\/27 erbaut wurde. Doch von diesen Daten abgesehen, deutete f\u00fcr mich zum Zeitpunkt meines ersten Wahrnehmens dieses Geb\u00e4udes nichts auf sein tats\u00e4chliches Alter hin. Wenn man mir damals, am Anfang meiner Volksschulzeit, gesagt h\u00e4tte, es sei bei meiner Geburt (1967) erbaut worden, h\u00e4tte ich es wahrscheinlich geglaubt \u2013 und ich denke, dass ich tats\u00e4chlich in eben dieser Meinung verblieb, bis zu einer Exkursion in der HTL-Zeit. Damals war ich erstaunt dar\u00fcber, dass das Bauwerk gleich alt wie mein Vater sei. Dieses Gef\u00fchl der Verwunderung habe ich noch recht unmittelbar in Erinnerung behalten.<\/p>\n<p>Spur Nr. 2, IKB-Hochhaus<\/p>\n<p>Das Hochhaus der IKB war f\u00fcr mich im Gegensatz dazu ein reiner 50\u00b4er Jahre Bau, den ich immer mit dieser Zeit in Verbindung brachte. Zwar hat mir mein Vater erz\u00e4hlt, dass in den Drei\u00dfigerjahren vom Balkon \u00fcber dem Haupteingang auf die fensterlose Westseite des B\u00fcrotrakts an der Salurnerstra\u00dfe Mickeymouse-Filme projiziert wurden; doch hatte ich diese Begebenheit stets mit einem Bauwerk verkn\u00fcpft, das im Krieg unwiederbringlich zerst\u00f6rt wurde. Dass die seltsame Haube am Dach das einzige Nachkriegsprodukt ist, erfuhr ich erst im Laufe meines Studiums.<\/p>\n<p>Spur Nr. 3, Gasthof Wilder Mann<\/p>\n<p>Die dumpfe Gestalt am Hauseck war f\u00fcr mich immer eines der Symbole der faschistischen Zeit. Zwar nahm ich Anfang der Volksschule diese Zeitalterszuordnung mangels konkreten Wissens dar\u00fcber nicht vor; dass die Zeit bedrohlich gewesen sein musste, zeigte mir schon allein die Tatsache, dass man sich solche Gestalten ans Haus montierte.<\/p>\n<p>Spur Nr. 4, Bundesbahnsiedlung Reichenau<\/p>\n<p>Meinen ersten Fahrradrunden in der Stadt f\u00fchrten mich in die vergleichsweise ruhigen Stra\u00dfen Pradls zwischen Amras und Ro\u00dfsprung. Der allern\u00f6rdlichste Punkt dieser Ausfl\u00fcge war der Platz, an dem das Fragment dieser Bundesbahnsiedlung steht. Die Dachform erinnerte mich eher an ein Lebkuchenhaus, bzw. an diverse Adventkalendermotive, die gerne Objekte aus dem fr\u00e4nkischen Raum abbilden. Damit stand das Geb\u00e4ude in \u00fcberraschenden Gegensatz zu den mir damals eher milit\u00e4risch anmutenden S\u00fcdtiroler-Siedlungsbl\u00f6cke Pradls. Eine Insel inmitten unangenehmer Zeiten.<\/p>\n<p>Wenn ich nun diese l\u00e4ngst vergangenen Eindr\u00fccke und mein noch evidentes Gef\u00fchl dabei Revue passieren lasse, erscheint mir, dass ich urspr\u00fcnglich nicht sagen h\u00e4tte k\u00f6nnen, diese hier betrachteten Geb\u00e4ude tragen die Handschrift eines einzelnen Architekten.<\/p>\n<p>Selbst sp\u00e4ter, w\u00e4hrend meines Studiums mit Welzenbachers Werkdokumentation konfrontiert, die im Institut f\u00fcr Raumgestaltung in Modellform aufgearbeitet wurde, blieb die Verwunderung dar\u00fcber, wie weit gestreut Welzenbachers Schaffen durchwegs blieb.<\/p>\n<p>Da findet sich Zeitloses, wie auch aus der Zeit heraus gewachsenes wieder.<\/p>\n<p>So sehr Architekten mit einem Stil, der es einem erlaubt zu sagen, das ist ein\/e typischer\/e xy, reizvoll sind <strong><a href=\"#zwei\" name=\"_ftnref\">[2]<\/a><\/strong>, so ist es dennoch reizvoller,\u00a0wenn da ein R\u00e4tsel \u00fcbrig bleibt;\u00a0man nicht mehr genau sagen kann, wer das Werk erdacht hat, sondern nur mehr feststellt, dass das Umfeld des Werks den Wert erkannt, es achtet, vielleicht sogar lieb gewonnen und befunden hat, es \u00fcber mehrere Generationen zu behalten.<\/p>\n<p>Das Werk Welzenbachers geh\u00f6rt in meinen Augen dazu.<\/p>\n<p><em>Martin Sch\u00f6nherr, 22.02.2015<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"#_ftnref\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"eins\"><strong>1<\/strong><\/a>&nbsp;Wilhelm Stigler hat in seiner Vorlesung \u201eEinf\u00fchrung in die Architektur\u201c immer wieder betont, wie wichtig es sei, sich kindliche Sichtweise zu erhalten, um Architektur unvoreingenommen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass ich versucht habe, meine damals noch rekonstrurierbaren ersten Erinnerungen an einzelne Geb\u00e4ude bewusst zu bewahren.<br><a id=\"zwei\">2<\/a>&nbsp;Wobei ich mir da nicht sicher bin, ob der Reiz am Erkennen eines Stils mitunter eher der Selbstbespiegelung des eigenen enzyklop\u00e4dischen Wissens, geschuldet ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zunehmenden Alter f\u00e4llt mir pers\u00f6nlich auf, dass mein pers\u00f6nliches aktives Erinnern wohl durch das sich verst\u00e4rkende Bewusstsein motiviert ist, wie viel ich in meinem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[24],"class_list":["post-345","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedanken","tag-martin-schoenherr"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=345"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":595,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions\/595"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.loiswelzenbacher.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}